Konzept: „Rollschuhdisco für alle‟

 

Planten un Blomen

Die Ausgangslage

Während der Corona-Pandemie haben viele Menschen aufgrund eingeschränkter Freizeitmöglichkeiten begonnen, an öffentlichen Orten in Hamburg Sport zu treiben. Dabei ging es häufig nicht nur um reine Fitness, sondern auch darum, draußen mit sicherem Abstand am sozialen Leben teilzunehmen und über die Bewegung ein optimistisches Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Der seit Jahren wachsende Trend des Rollschuhfahrens passt perfekt, um das gestiegene Outdoor-Bedürfnis der Bevölkerung in dieser Krisenzeit sinnvoll und mit Spaß zu gestalten.

Die Geschichte

In den frühen 80er-Jahren kam das Phänomen Rollschuhdisco aus den USA nach Deutschland. Kein anderes Land in Europa hatte so viele Rollschuhbahnen. Und neben Berlin galt Hamburg mit vier Anlagen als Hauptstadt dieses Booms. Befeuert von der Musik eines DJs drehten Tausende jede Woche ihre Runden und zeigten ihr akrobatisches Können. Anfang der 90er-Jahre schloss in Bergedorf die letzte dieser besonderen Hamburger Freizeitstätten. Doch seit einigen Jahren erlebt das Rollerskaten eine enorme Renaissance. Zum einen auf der sportlichen Wettkampfebene mit dem Roller Derby, für das der FC St. Pauli sowie Altona 93 eigene Teams unterhalten. Zum anderen kulturell mit Veranstaltungen wie dem „Rollerskate Jam‟, der Menschen aller Generationen seit 2014 im Mojo Club auf St. Pauli auf Rotation bringt. Und natürlich im Straßengebrauch, wo die Rollschuhe alter Schule wieder verstärkt neben Inlinern, Skateboards und Rollern zu sehen sind.

Die Idee

Rollschuhfahren zu Musik mobilisiert Menschen auf spielerische Weise. Die Rollerskate-Kultur spricht sowohl bewegungsfreudige Kinder und auf Coolness bedachte Teenager an, als auch Erwachsene, die diesen geselligen Freizeitspaß neu oder wieder erlernen. Wer Rollschuh läuft, schaut nicht aufs Smartphone. Und wer an seinen Kunststücken auf acht Rollen arbeitet, hat keine Zeit für Alkohol, Drogen und illegale Aktivitäten. Sprich: Die Rollschuhdisco ist ein wahrhaftiges und soziales Erlebnis, das jeden Ort positiv auflädt. Diese lebensbejahende und gemeinschaftsfördernde Betätigung möchten wir den Hamburgerinnen und Hamburgern sowie Touristen gerne regelmäßig an einem öffentlichen Platz ermöglichen. Und zwar als niedrigschwelliges Angebot ohne Eintritt, bei dem jede und jeder mitmachen kann: Jung und Alt, Anfänger und Fortgeschrittene, Singles, Freundeskreise und Familien.

Die Effekte

  1. Innovatives Aushängeschild für die Sportstadt Hamburg
    Die Rollschuhdisco fügt sich bestens in die Strategie „Hamburg Active City ‟. Der Breitensport Rollschuhlaufen ist eng verknüpft mit Popkultur sowie Mode. Diese Vielschichtigkeit führt nicht nur zu einer Ansprache diverser Zielgruppen, sondern lässt sich zudem hervorragend vermarkten. Die „Rollschuhdisco für alle‟ könnte daher – erst recht im „Corona-Sommer‟ – zum innovativen Aushängeschild für die Sportstadt Hamburg werden.
  2. Soziale Werte vermitteln
    Die Rollschuhdisco ist ein Ort der Fairness und des Respekts, an dem sich Menschen ungeachtet von Status, Finanzlage, Alter, Hautfarbe oder Geschlecht auf Augenhöhe begegnen. Die rhythmische sowie ausdauernde Bewegung baut Aggressionen und Ängste ab. Die Rollschuhdisco kann also gerade in der momentanen Lockdown-Situation zu einem wichtigen Ventil werden.
  3. Kollektiv Kultur erfahren.
    Das Angebot aktiviert die Menschen nicht nur, sondern vermittelt zudem musikalische Schlüsselerlebnisse. Der Sound bei Rollschuhdiscos verbindet die jahrzehntelange Tradition von Hip-Hop, Disco, Funk, Boogie und RnB mit der aktuellen Popkultur. Statt isoliert am Smartphone Musik zu hören, können die Gäste der Rollschuhdisco die Songs im wahrsten Sinne des Wortes erfahren. Vor allem junge Menschen lernen so ohne pädagogischen Zeigefinger den historischen Kontext von Kultur und die Kraft kollektiven Musikerlebens kennen.
  4. DJ-Kultur in der Musikstadt Hamburg fördern
    Neben der Livemusik ist auch die DJ-Kultur aufgrund der Corona-Auflagen zum Erliegen gekommen. Für viele einzelne Akteure, die mit dem professionellen Auflegen von Musik bisher ihr Geld verdient haben, ist diese Situation existenzbedrohend. Doch auch für die gesamte Musikstadt Hamburg ist das Verschwinden dieser popkulturellen Praxis fatal. Mit seiner lebendigen DJ- und Clubkultur hat Hamburg stets ein weltoffenes Signal gesendet, das dafür sorgte, dass junge, aufgeschlossene und innovative Menschen gerne zu Besuch kommen oder direkt dauerhaft bleiben. Die Rollschuhdisco kann in Zeiten von Corona dazu beitragen, die DJ-Kultur unter den gegebenen Hygienevorschriften am Leben zu erhalten und zugleich ein aufmunterndes Zeichen Richtung Musikszene zu schicken.

Die Problemlage

Hamburg hat zwar in Planten un Blomen eine wunderschöne Anlage, die im Winter als Eisarena und im Sommer als Rollschuhbahn zur Verfügung steht. Doch nach der Sanierung des 4300 Quadratmeter großen Areals ist der Boden leider nicht mehr zum Skaten geeignet. Durch das verwendete Gemisch aus Latex und Quarzsand ist die Oberfläche nun zu einer Art Reibeisen geworden. Das führt bei Stürzen zu extrem gefährlichen Verletzungen, sodass der Betrieb einer Rollschuhdisco dort unverantwortlich erscheint. Auch andere Freiflächen in Hamburg wie das Heiligengeistfeld verfügen nicht über ausreichend glatte Beläge. Und weitere geeignete Orte wie der Spielbudenplatz sind oftmals durch Gastronomie und Veranstaltungen belegt. Doch gerade jetzt sind die Menschen durch die Corona-Krise verstärkt motiviert, sich draußen zu bewegen. Dieses Zeitfenster möchten wir nutzen, bevor es sich wieder schließt. 

Die Lösungsansätze

Gerne möchten wir mit der Stadt in Dialog treten. Lässt sich der Belag der Anlage Planten und Blomen zeitnah erneuern, sodass sich der „Corona-Sommer‟ für das positive Erlebnis Rollschuhdisco nutzen lässt? Existieren andere geeignete Freiflächen, die sich öffentlich zugänglich machen lassen, etwa Schulhöfe oder Außensportanlagen? Ist Hamburg bereit, kurzfristig ein öffentliches Areal angemessen zu erschließen, auf dem sich das Projekt regelmäßig realisieren ließe? Wäre der Spielbudenplatz eine Option für die „Rollschuhdisco für alle‟? Und wie schnell und unbürokratisch könnte die Stadt bei diesem Vorhaben helfen?

Der Initiator 

Guido Weiß alias DJ Mad ist integraler Bestandteil der DNA der Musikstadt Hamburg. Seit 1991 sorgt er mit seiner Band Beginner dafür, dass niveauvoller deutschsprachiger Hip-Hop stark mit Hamburg assoziiert wird. Mit seiner Radiosendung „N-Joy Soundfiles Hip-Hop‟ hat er sich seit 20 Jahren als  Experte für diesen energiegeladenen Teil der Popkultur etabliert. Als international gefragter DJ ist er zudem ein Botschafter für aufgeschlossenen hanseatischen Lebensstil. Seine Passion für das  Rollschuhlaufen wurde geweckt, als er als Elfjähriger Anfang der 80er-Jahre das Skateland Ochsenzoll besuchte: „Ein Wunderland mit tollem Sound, blinkenden Lichtern und Nebel. Wie da alle gemeinsam zum Rhythmus der Musik geskatet sind, hat mich absolut fasziniert und geprägt‟, sagt Guido Weiß. Damals schaute er gerne dem dortigen DJ Rudi Druve über die Schulter, heute Musikchef beim Radiosender NDR 90,3.

Die „Rollschuhdisco für alle‟

Seit 2014 lässt DJ Mad sein Know-how und seine Leidenschaft gemeinsam mit DJ Rita und Gameboimusic und Ekambus beim „Rollerskate Jam‟ erklingen: Im Mojo Club unter der Reeperbahn treffen sich einmal im Monat Rollschuh-Fans jeden Alters. Das „Hamburger Abendblatt‟ schrieb 2019 über die Veranstaltung: „Hier vermischen sich die Generationen. Die Liebe zum Rollschuhlaufen zu Musik verbindet.‟ Zudem hat Guido Weiß im vergangenen Jahr einen alten Van aus den USA importiert, wie er hierzulande häufig für Foodtrucks genutzt wird. Den Transporter aus dem Jahr 1978, der einer Klempnerei in New Orleans lange Zeit als rollende Werkstatt diente, baute er zum Rollschuhverleih um. Rund 100 Rollschuhe, darunter 80 nagelneue, warten nun in den Regalen des Vans darauf, ausgeliehen zu werden. Der fahrende Rollschuhverleih, der dank seines leuchtend blauen Designs auch optisch große Strahlkraft besitzt, feierte beim Reeperbahn Festival 2019 seine Premiere. Die Organisatoren buchten Van und Team des „Rollerskate Jam‟, da deren lebensfroher Spirit bestens passt zu diesem international renommierten Hamburger Musik- und Netzwerkevent. Mitten auf dem Heiligengeistfeld wurde da ein Autoscooter errichtet, der als Rollschuhbahn diente und bald viele Neugierige animierte, einige Runden zur Musik zu drehen.

Seine Idee einer „Rollschuhdisco für alle‟ formuliert Guido Weiß wie folgt: „Mein großer Traum ist es, in Hamburg regelmäßig und bürokratisch unkompliziert mit meinem Van an öffentliche Plätze zu fahren, auf denen sich gut skaten lässt. Dort würde ich für kleines Geld meine Rollschuhe verleihen und Musik auflegen. Rollschuh-Profis könnten zudem Kurse geben, um allen eine schnelle Teilhabe zu ermöglichen. Mir geht es nicht um den Verdienst, sondern darum, ein verbindendes Sport- und Kulturerlebnis zu schaffen. Die 'Rollschuhdisco für alle' soll zum Treffpunkt werden und sich bestenfalls zu einer Community entwickeln, in die sich jede und jeder mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit einbringen kann. Während des Corona- Lockdowns ist eine Straßensportkultur entstanden, die ich so kaum noch für möglich gehalten hätte. Ein großes Potenzial, das wir gerne zeitnah positiv nutzen möchten.‟

Kontakt: booking@lebeaubureau.com