U5-Streckenführung Stephansplatz – „Eingriff in den sensiblen Stadtraum minimal“

Auch der Park Planten un Blomen wird von der U5 profitieren – keine Frage. Die Gäste werden bequemer anreisen können und den Park dann auch mit Direktanbindung aus weiteren Stadtteilen erreichen.

U5-Streckenführung Stephansplatz

Die Diskussion um den konkreten Standort der Haltestelle Stephansplatz haben wir deshalb interessiert, jedoch wegen möglicher Eingriffe in den Park auch besorgt verfolgt. Die Online-Beteiligung zur U5-Haltestelle Stephansplatz zeigte, wie viele Hamburgerinnen und Hamburger das Thema ebenfalls bewegt.

Am 16. Dezember 2020 wurde auf einer Pressekonferenz nun die finale U5-Anbindung in der Innenstadt vorgestellt.

Und wir sind erleichtert! Die Entscheidung für die Variante B wendet die befürchteten großen Eingriffe in den Park überwiegend ab. Jeder Meter, mit dem das Baufeld nach Nordost verschoben wird, hilft dem Park.


Baumbestand

In dem Areal von Planten un Blomen vor dem Eingang Stephansplatz stehen wunderbar entwickelte riesige und zugleich seltene Bäume aus dem historischen Altbestand des Botanischen Gartens, die nun weitgehend erhalten bleiben. Zum Beispiel steht hier eine besondere Sorte der Bergulme mit fast fünf Metern Stammumfang, von der es nur noch ein größeres Exemplar in Deutschland gibt (in Görlitz/Sachsen). Weitere besondere Einzelstücke: eine vierstämmige Chinesische Kastanie, eine zweistämmige Zelkovie, eine breitkronige Hopfenbuche und ein uralter Maulbeerbaum. Ebenso bleibt eine monumentale Baumgruppe verschont, in der sich zum Beispiel der große Kastanienbaum mit dem bei Kindern beliebten Schaukelast, eine ungarische Eiche mit baumdicken Efeu-Lianen und eine einmalige Buchengruppe befinden. Eine Rotbuche mit beachtlichen Stammumfang von 4,2 Metern bildet das Zentrum, flankiert von einer farnblättrigen Buche mit tollen Wurzelanläufen und einer sehr seltenen Buche mit dreifarbigen Blättern. Sie schaffen hier einen Hauch von Buchenhallenwald und überkronen gerade in der Sommerhitze sehr beliebte Sitzbänke – eine Kathedrale der Natur.

Leider kommt man auch bei der gewählten Variante nicht komplett darum herum, Bäume zu fällen. Nach Aussage von Klaus Uphoff (Hamburger Hochbahn AG) sind es nach aktuellem Stand etwa 30 Bäume, statt 100 Bäume wie bei Variante A.


Japanischer Landschaftsgarten

Das bedeutende Kunstwerk der Japanischen Gartengestaltung, dessen besonderer Wert in den Steinsetzungen besteht, bleibt nun auch unberührt. Rund 750 Tonnen Steine und Felsen wurden durch den japanischen Gartenarchitekten Yoshikuni Araki 1988 mit künstlerischem Geschick einzeln mit Bedacht platziert und zueinander angeordnet. Das für diese Kunst der Steinsetzung zugrunde liegende und zum Teil in religiösen und überlieferten Bedeutungen wurzelnde Regelwerk ist für nicht im japanischen Kulturraum aufgewachsene Architektinnen und Architekten sowie Gärtnerinnen und Gärtner nicht nachahmbar. Eine Rekonstruktion oder Neuschöpfung hätte deshalb nie die Wirkung des gegenwärtig erlebbaren Originals erreicht.


Baugruben

Nach der heutigen Aussage von Henrik Falk (Hamburger Hochbahn AG) wird uns auch eine weitere Sorge genommen: Neben der direkten Bedrohung durch Fällungen bedeuten natürlich auch die für die Baustelle erforderlichen Absenkungen des Grundwassers und oberflächennahen Schichtenwassers eine Gefahr für das Leben der Baumriesen. Da der Haltestellenbau in offener Bauweise erfolgen muss (Aussage, siehe Pressekonferenz) ist die nun ausgewählte Variante in jedem Fall schonender für den Baumbestand des Parks, da diese weiter entfernt liegt. Dennoch sind Schäden durch Grundwasserabsenkungen nicht auszuschließen. Hier muss gegebenenfalls eine Wasserhaltung mit dem Ziel des Baumschutzes erfolgen.


Tiefbunker

Die Entscheidung für die Variante B verschont auch eine intakte Tiefbunkeranlage aus dem zweiten Weltkrieg, ein Zeugnis vergangener Zeiten.

Da die Entscheidung nicht ausschließlich zu Gunsten des raschen Transits erfolgte, sondern eine Abwägung zum geringeren Eingriff in einen sensiblen Stadtraum berücksichtigte, bleibt der Ausstieg am Stephansplatz weiter lohnenswert: Die Attraktionen des Japanischen Landschaftsgartens und der Baumbestand des Botanischen Gartens bleiben weitgehend erhalten!